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Dieser Artikel wurde in Glass News No. 9 (Januar 2001) und im ARA Bulletin No. 13 (August 2002) unter dem Titel: "An experiment in the manufacture of Roman window glass" publiziert.
Text
& Abbildungen 1-4 © 2000/2003 Mark Taylor
Übersetzung &
Abbildung 5-6 © 2008 Frank Wiesenberg
Quelle: http://www.romanglassmakers.co.uk/articles.htm
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Die Römer nutzten schon ab dem 1. Jh.n.Chr. Fensterglas. In den römischen Siedlungsstätten Britanniens kommt Fensterglas häufig vor. Die römischen Glasmacher nutzten zwei verschiedene Techniken um Fensterscheiben herzustellen. Die ältere Methode ist als "Gußglas" bekannt. Mit ihr erhält man ungleichmäßig dicke Scheiben, die auf einer Seite feuerpoliert bzw. "glänzend" sowie mit Vertiefungen versehen sind und auf der anderen eine Art mattierte Oberfläche haben. Die jüngere Methode nennt sich "Zylinderglas". Mit ihr erhält man Scheiben gleichmäßiger Dicke, die beidseitig glänzend sind. Diese Methode ist sehr bekannt und wurde von Theophilus im 12. Jh.n.Chr. erstmals dokumentiert. Im industriellen Maßstab wurde sie bis ins 19. Jh.n.Chr. in Glasproduktionszentren wie Charleroi (Belgien) eingesetzt. Bei dieser Technik wird ein Glaszylinder geblasen, dessen beide Enden geöffnet werden, dann wird der Zylinder längs aufgetrennt, wiedererhitzt und flach ausgebreitet. Leider ist das Wissen um die genaue Herstellungsweise des römischen Gußglases seit der Aufgabe dieser Technik im 3. Jh.n.Chr. verloren. Man ging lange davon aus, daß geschmolzenes Glas in eine Form gegossen wurde - ganz genau so wie dies beim Metallguß geschieht. Degegen spricht, daß diese Methode nicht die Formen der Kanten und der Werkzeugspuren erzeugt, die an den römischen Originalen sichtbar sind. Vor kurzem fragte das Museum of London an, ob wir eine Glasscheibe für das Museum in der älteren Technik herstellen könnten. Unsere Forschungen und Experimente ermöglichten letztendlich die Herstellung einer solchen Fensterscheibe. Dazu mußten wir einen Herstellungsprozeß entwickeln, der alle Herstellungsmarken und Eigenwilligkeiten des originalen römischen "Gußglases" reproduziert. Wir nutzten ein blaugrünes Soda-Kalk-Silica-Glas einer typisch römischen Zusammensetzung. Wir nahmen geschmolzenes Glas aus dem Ofen, gossen es auf eine befeuchtete Oberfläche (in diesem Fall ein Kühlofen-Regal) und breiteten es sofort mit einem großen, gewässerten Holzblock aus. So bekamen wie eine flache, runde Glasscheibe von etwa 5mm Dicke - und eine Menge Qualm! Um diese runde Scheibe in eine rechteckige Form zu bringen mußte sie ständig wiedererhitzt und überarbeitet werden. Wir nahmen die Scheibe dazu mit einem trockenen, um Anhaften des Glases zu vermeiden beschichteten Ofenstange auf und führten sie in den anderen Ofen (als "Glory Hole" bekannt) zum kontrollierten Wiedererhitzen ein. Nun kam die interessanteste Phase der Operation, da wir anfangs keine Ahnung hatten, was wir außer Ziehen und Schieben tun könnten um die runde Scheibe in eine rechteckige Form zu bringen. Unsere ersten Versuche erzeugten merkwürdig geformte, aber immerhin vielversprechende "Fensterscheiben". Nach einigen Versuchen haben wir herausgefunden, wie das Glas kontrolliert gedehnt wird; wir haben also das "Tun und Lassen" dieser Art der Fensterglasherstellung experimentell herausgefunden. Ob man auf diese Art erfolgreich Fensterglas herstellt hängt von verschiedenen Faktoren ab: Die Scheibe muß so erhitzt werden, daß ein Teil des Glases heiß und flexibel wird, während andere Teile relativ kühl bleiben. Dann können die kühleren Teile mit einer Zange gepackt und gezogen werden, während die heißeren Regionen in der Nähe des Randes mit einer Metallstange heruntergedrückt werden. Dadurch erhält man eine Ecke. Und mit weiterem Erhitzen und Dehnen wird aus der runden Scheibe letztendlich ein Rechteck. Dieses Rechteck kann nun vergrößert werden, indem nur eine Hälfte erhitzt, die heiße Seite mit einem Metallstab heruntergehalten und die andere, kühlere Seite mit einer Zange gepackt und gezogen wird. Geschieht dies reihum, so kann die Scheibe bis auf die gewünschte Größe gedehnt werden. (Abhängig von der anfänglich entnommenen Glasmenge natürlich - je größer die Glasmenge, desto größer die Scheibe.) Kleine Änderungen an der Geradlinigkeit der Kanten können mit einem Metallhaken vorgenommen werden, mit dem das Glas an den nötigen Stelle etwas nach außen gezogen wird. Die benutzen Werkzeuge waren einfach: Metallstäbe, Haken und Zange. Die von ihnen verursachten Spuren auf der fertigen Scheibe passen haargenau zu denen auf den originalen römischen Fensterscheiben. Die von uns entwickelte Metode ist einfach und reproduzierbar - ein wichtiges Kriterium für eine Massenproduktion. Es ist gut vorstellbar, daß viele Glaspoduktionsstätten während des 1. und 2. Jh.n.Chr. diese Methode Fensterglas herzustellen genutzt haben, bis es vom Zylinderglas abgelöst wurde.
Update Dieses Update ist ein Resultat unserer Forschungen an Mosaikglas und Rippenschalen, in Verbindung mit der Nachfrage des Butser Roman Villa Project nach einigen Glasscheiben. Die Verbindung zwischen gegossenen und gegossenen/verschmolzenen sowie gestürzten/eingeschmolzenen Gefäßglas ist ein gutes Beispiel für die Verbindung von antiker Glasherstellungstechnik und ihren Endpodukten. Das erste Ergebnis ist, daß Wasser als Trennmittel nicht nötig ist. So wie bei monochromen Rippenschalen kann pulverisierter Ton dafür benutzt werden (siehe dazu das AIHV Poster: "Ribbed Bowls and their Manufacture"). Etwas Ton wird zwar an der Unterseite des Glases haften bleiben, aber nach Erkalten kann die Scheibe abgewaschen oder mit einem feinen Schleifmittel abgerieben werden um eine akzeptable Oberfläche zu erhalten. Das zweite Ergebnis: Die anfänglich abgeflachte, runde Scheibe kann sofort nach dem Abflachen gedehnt werden und nicht erst zwingend nach Wiedererhitzen. Die für die Herstellung von gestürzten/eingeschmolzenen Gefäßen entlehnte Bearbeitung von runden Scheiben vergrößert und verdünnt die Scheibe bevor sie rechteckig geformt wird. Hier entstehen auch einige Werkzeugspuren am Rand der Scheibe, die eventuell beim späteren Wiedererhitzen ausgeschmolzen werden. Das dritte Ergebnis: Zu energisches Fixieren und Dehnen der Scheibe kann lineare, eingekerbte Werkzeugspuren verursachen, die größer als die auf den originalen Ecken (bzw. Eckfragmenten) sichtbaren Spuren sind. Bessere Ergebnisse (also weniger Werkzeugspuren) bringt vorsichtigeres Arbeiten, bei dem die Scheibe gleichzeitig rechteckig geformt und auf Maß gedehnt wird mit erst dann anschließendem Präzisieren der Ecken. Abschließend könnte ein kompletes Wiedererhitzen der fertig geformten Fensterscheibe die Werkzeugspuren weitestgehend tilgen, aber zum einen braucht dies Zeit und zum anderen kann es mehr Anbacken von Trennmittel (Ton) an der Unterseite der Scheibe verursachen. Dies ist also nicht zwingend notwendig und auch nicht ökonomisch sinnvoll.
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