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Experimentelle Archäologie: Rekonstruierte römische Glasöfen im Einsatz
Die Frage stand lange unbeantwortet im Raum:
Ist es möglich, daß die Römer auf einem Lehmofen ohne Gebläseanfachung die Schmelz- und Verarbeitungs-Temperaturen von geblasenem Glas erreichen konnten?
Abbildungen, z.B. auf Öllampen, schienen das zwar nahezulegen, die archäologische Fundlage zeigte auch keine Blasebalgkonstruktionen o.ä. und auch Schriftquellen deuteten in die Richtung. Schlußendlich mußte diese These aber experimentell bewiesen werden. Dies war spätestens ab dem Zeitpunkt machbar, als die chemische Zusammensetzung einiger römischer Gläser klar war.
Nebenfragen waren auch das Verhalten des Glases (insbes. dessen Verarbeitbarkeit) am Holzfeuer, die Kontrollierbarkeit der Temperatur, die maximal erreichbaren Temperaturen, Brennstoffverbrauch, Witterungsanfälligkeit, Effektivität (erreichbare Gefäßstückzahl pro Ofen) etc.
In den Jahren 2005 und 2006 rekonstruierten die ROMAN GLASSMAKERS Mark Taylor & David Hill auf einem Außengelände nahe ihrer Werkstatt in Quarley (Südengland) römische Glasöfen, basierend auf Funden u.a. aus dem Hambacher Forst (Braunkohlegebiet zwischen Köln und Aachen). Diese Experimente wurden von ihnen online publiziert und sind hier in Übersetzung erschienen.
Siehe dazu die Seite "Quarley Furnace Project"
Im Herbst 2008 wurde u.a. von Robert van Zijll de Jong im Auftrage des Provinciaal Archeologisch Museum Velzeke (PAM, Belgien) sowohl ein holzbefeuerter Glasofen als auch ein Kühl- bzw. Entspannungsofen weitgehend nach Angaben der ROMAN GLASSMAKERS Mark Taylor & David Hill gebaut. Diese Öfen sollten während der Eröffnungs- und Abschlußwochenenden einer Sonderausstellung über römisches Glas ("Fragiel, glazen kostbaarheden uit het Romeinse Rijk") von den ROMAN GLASSMAKERS betrieben werden. Das zeigt die etwas andere Auslegung dieses Experiments im Vergleich zum Quarley Furnace Project (dessen Glasöfen ab 2007 offen der Witterung preisgegeben wurden - auch um Vergleiche zu archäologischen Funden ziehen zu können). Die Öfen des PAM hingegen sollen so lange wie möglich mindestens einmal pro Jahr an einem publikumsoffenen Wochenende experimentell betrieben werden.
Der zweite Termin dieses Projekts, an denen die Öfen wieder in Betrieb genommen werden sollten, war das letzte Wochenende der Glas-Sonderausstellung des PAM. Der Glasofen lief an den Tagen vom 25. Mai bis zum 1. Juni 2009, und das Experiment war vom 30. Mai bis zum 1. Juni für das Publikum offen; der Freitag war internationaler Fachbesuchertag "Glass Specialists´ Day".
Der nächste Betrieb des belgischen Glasofens fand vom 7. bis zum 13. September 2009 anläßlich des "Open Monumentendag" im Provinciaal Archeologisch Museum Velzeke statt. Ebenfalls zu diesem Anlaß waren die nächsten Arbeitstermine des Ofens vom 6. bis 13. September 2010 bzw. vom 7. bis 12. September 2011, wobei für den 2011er Termin vom Museum ein zweiter Kühlofen nach Plänen von den ROMAN GLASSMAKERS Mark Taylor & David Hill sowie Frank Wiesenberg gebaut wurde.
Siehe dazu die Seite "Velzeke Furnace Project"
Die Experimente in England waren dem "eingeweihten Publikum" bisher als "Roman Furnace Project" bekannt. Da es mit dem belgischen Glasofen-Experiment in Velzeke (2008/2x2009/2010/2011) nun ein weiteres römisches Glasofen-Experiment gibt, favorisiere ich eine andere Begrifflichkeit um beide Projekte ausreichend zu differenzieren:
- die "Quarley Furnace Projects 2005 / 2006", abgekürzt QFP2005 bzw. QFP2006 (alias das "Roman Furnace Project")
- die "Velzeke Furnace Projects 2008 - 2011", abgekürzt VFP2008, VFP2009, VFP2009-II, VFP2010, VFP2011
Auch für das belgische Projekt belasse ich es bei der englischen Terminologie, da sich im internationalen Team (mit Mitwirkenden aus Belgien / Niederlande / Großbritannien / Frankreich / Deutschland und USA) vor Ort Englisch auch als gute Kommunikationsbasis erwiesen hat. Zudem sind die dort entstandenen Gefäße zum Teil entsprechend am Boden graviert, was eine Zuordnung erleichtert.
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