Das "Quarley Furnace Project" 2005
- Die Demontagephase

 

Am 15. Mai 2005 durften die Feuer langsam herunterbrennen. Anfangs war der Temperatursturz gravierend, aber er verlangsamte sich im Verlauf des Abkühlungsprozesses der Öfen. Das hatten wir erwartet, denn dies war der weiter fortschreitenden Verbrennung der Holzkohle in der Feuerkammer geschuldet. Nach fünf Tagen hatte die Asche in der Feuerkammer des Arbeitsofens immer noch 80°C und der Tankofen lag noch immer bei 47°C.

Da die Öfen nun runtergekühlt waren, konnte man den graublauen Glanz (Glasur) der inneren Oberfläche der Öfen gut erkennen. Das war möglicherweise verschmolzener, vorher im Lehm enthaltener Quarz, ausgelöst entweder durch Sodadämpfe aus der Glasschmelze oder Holz-Pottasche.

Die kleinen sichtbaren weißen Flecken auf der Innenseite der Öfen waren kalzinierte Muschelschalen, die als Magerungspartikel dem Lehm zugesetzt wurden. So lange die Öfen heiß waren, stellten diese Flecken kein Problem dar. Aber nun, da die Öfen kalt waren, spekulierten wir, daß sie Feuchtigkeit absorbieren und somit die gebrannte Lehm-Oberfläche der Ofen zerstören könnten. (De facto verhinderte die Glasur, daß die weißen Punkte Feuchtigkeit aufnehmen konnten. So blieben die Öfen diesbezüglich intakt während der Pause zwischen den 2005er und 2006er Feuerungsphasen - und zeigen auch nach der Feuerungsphase 2006 keine Tendenz zum Reißen.)


Abb.1 - Innenansicht des Arbeitsofens mit Blick durch Arbeitsöffnung B (Fotomontage)

Der Arbeitsofen:

Da dieser Ofen im folgenden Jahr 2006 wieder benutzt werden sollte, konnten wir ihn nicht zerschneiden. Immerhin waren zerstörungsfreie Beobachtungen von Hafenraum und Feuerkammer möglich.

Eine blaugraue Glasur des Hafenraums war sichtbar. Die Risse in den Wänden waren der Schrumpfung während des Feuerns des Ofens geschuldet, machten sich aber während der dreiwöchigen Arbeitsphase nicht negativ bemerkbar. Einige Risse durchzogen die komplette Wand (besonders bei den Arbeitsöffnungen) und könnten im 2006er Experiment eine Schwachstelle darstellen. (Sie sollten nicht!)

Die Wand der Feuerkammer wurde auch von Glas angegriffen, besonders dort, wo Glas von oben die Wand herunterlief. In einigen Regionen wurde die dünnen Lehmschicht aufgelöst oder von den dahinter liegenden Ziegeln abgelöst, so daß das Glas die Ziegel angreifen und diese verglasen konnte. Dort reagierte es mit dem in den Ziegeln enthaltenen Eisenoxid und verfärbte sie dunkelgrün.

Das Schürloch zeigte viel Verschleiß; in einigen Bereichen brach der Lehm weg, so daß die dahinter liegenden Ziegel sichtbar wurden.

Die Asche wurde in der Feuerkammer zurückgelassen. Sie wird der 2006er Arbeitsphase zugeschlagen (eigentlich leerten wir die Feuerkammer dann doch vor der 2006er Arbeitsphase, um die Asche von 2006 nicht zu verunreinigen).


Abb.2 - die Glashäfen in der Aufsicht

Abb.3 - die Glashäfen in der Seitenansicht

Abb.4 - an den Unterseiten der Häfen zeigten sich Risse in der Lehmhülle

Abb.5 - an den Unterseiten der Häfen zeigten sich Risse in der Lehmhülle

Die Glashäfen zeigten kaum Verschleiß. Die beiden defekten Häfen rissen vermutlich aufgrund eines Temperaturschocks (bei einem der beiden war ein Haarriß schon vor Anheizen sichtbar). Die Lehmhülle hatte teilweise funktioniert, obwohl die Fotos große Risse in den Schichten zeigten. Weitere Experimente mit verschiedenen Lehmzusammensetzungen könnten Glaslecks erfolgreicher verhindern.

Siehe die Fotos des Arbeitsofens.

 


Abb.6 - Tankofen: Bereich oberhalb des Schürlochs (Fotomontage)


Abb.7 - Tankofen: Schnitt durch die Arbeitsöffnung (Fotomontage)

Der Tankofen:

Mit einer Säge zerteilten wir diesen Ofen um die interessanten Farbveränderungen innerhalb der Wand offenzulegen. Diese werden vom Temperaturgefälle innerhalb der Wand verursacht.

Der Bereich mit den höchsten Temperaturen war die braune Schicht auf der Innen-Oberfläche oberhalb der Arbeitsöffnung, wo die meisten heißen Gase austraten.

Die Fotos zeigen diese Farbveränderungen. Sie zeigen auch die Erhaltung der Handvoll Lehm aus dem die Wände bestanden.

Die exponierten Ziegel waren in den zur Feuerkammer zeigenden Bereichen geschrumpft und gerissen. Sie waren also einer höheren Temperatur als ihrer ursprünglichen Brenntemperatur ausgesetzt.

Hier zeigte sich auch die Schwere des Schadens am Tank: Mehrere Risse hatten sich aufgetan, aus denen Glas austreten konnte.

Als wir die Feuerkammer von Asche und Holzkohle leerten bleib ein Ring verdichtete Asche an der Wand haften. Die Feuerkammer selbst war durch Kontakt mit Holzkohle geschwärzt, möglicherweise auch durch reduzierenden Brand.

Im Inhalt der Feuerkammer befanden sich auch Rückstände von dem Glas, welches aus dem Tank ausgelaufen war. Es hatte sich zu einem großen, flachen See von 1 bis 1,5cm Stärke ausgebreitet. Da unter ihm eine Ascheschicht ein Anhaften am Boden verhinderte, war dieser Glas-See einfach herauszunehmen.

Der Lehm des Schürlochs war teilweise gebrannt, und der Steinboden zeigte Risse.

Siehe die Fotos des Tankofens.

 

Der Kühlofen:

Der Kühl- bzw. Entspannungsofen erfüllte seine Aufgabe und sorgte für spannungsfreie Gefäße. Trotzdem wurde er mit dem Tankofen abgerissen und 2006 durch eine eingenständige Konstruktion ersetzt.

Man sollte noch erwähnen, daß der Tankofen mit einer Temperatur von über 1000°C betrieben werden mußte um den Kühlofen ausreichend mitzuheizen. Dies ist auch die zum Glasblasen mindestens erforderliche Temperatur. So wäre zusätzliches Brennmaterial um Glas zu blasen und den Kühlofen zu betreiben eigentlich nicht nötig. Es bedeutet auch, daß es durchaus möglich ist, einen Kühlofen dieser Größe nur mit Abhitze eines Ofens der Größe unseres Tankofens zu betreiben.

Siehe die Fotos des Kühlofens.

 


Abb.8 - um den Ofen entstand ein Ring verbrannter, unfruchtbarer Erde


Abb.9 - Das Sims ist der Erosion zum Opfer gefallen

Der Zerfall von Tankofen und Kühlofen:

Wir überließen den Tankofen, den Kühlofen und einige gebrochene Bereiche der Witterung und haben ihren Zerfall von Juli 2005 bis April 2006 beobachtet.

Den größten Schaden während des Sommers richtete Regen in Verbindung mit Trocknungsphasen durch Wind und Sonne an, besonders an der den vorherrschenden Wind fangenden Nordwestseite. Zuerst wurden Tonpartikel ausgewaschen, während Heu und Sande stehen blieben. Aber auch diese wurden nach und nach durch weiteren Regen ausgewaschen.

Obwohl während Sommer, Herbst und den folgenden Frühling Gräser um den Ofen wuchsen, blieb direkt um die Öfen ein Ring blanken Bodens, der durch die extreme Hitze sterilisiert wurde. Am Schürloch keimten ein paar Pflanzen, im Frühling auch in der Vertiefung.

Der während Herbst und Winter zunehmende Regen sorgte für die meiste Verwitterung der unverziegelten Oberflächen, wo weiterer Ton, dann Heu und Sand, ausgewaschen wurde. Es bildeten sich angeschwemmte Schichten zu Fuße der Öfen. Die am Boden übrig gebliebenen Lehmbrocken verwitterten genauso: Der ungebrannte Ton wurde während Regenwetters zu Matsch.

Im Spätwinter Anfang 2006 sorgten Temperaturen unter dem Gefrierpunkt für weiteren Zerfall der Lehmbrocken auf dem Boden: Sie zerscherbten durch Frostaufbruch in kleine, scharfe Fragmente, während die verglasten Bereiche unbeschädigt blieben.

Durch den Frost brach schließlich auch das Sims unter der Arbeitsöffnung vom Ofen herunter. Aber im Inneren des Ofens wurden keine Oberflächen beschädigt, da sie sowohl von den noch stehenden Wänden geschützt wurden, als auch hoch gebrannt und somit wasserbeständig verglast waren.

Der Kühlofen widerstand der Witterung, obwohl sein ungebrannter Lehm genauso wie der des Tankofens angegriffen wurde. Über den Winter litt sogar die geschützte Seite, die lange Risse durch Frost und Wechselwirkung von Regen und Austrocknen entwickelte. Diese Risse wurden durch Regen noch erweitert.

Dies führte in einigen Bereichen des Kühlofens zum Auftauchen von großen Löchern: Dort, wo die Ziegel der Ofenkammer mit Lehm verkleidet waren und wo Kühlofen und Tankofen aneinander grenzten. In diesen Bereichen wurde viel Material von den Öfen ausgewaschen, was sich zu Fuße der Öfen anlegerte.

Also: Ungebrannter Lehm wird zuerst ausgewaschen, was den gebrannten Lehm so lange schützt, bis die ungebrannte Lehmschicht komplett abgewaschen ist. Dann kann das Winterwetter den gebrannten Lehm angreifen, was eventuell eine dünnne, hoch gebrannte Schicht, die am Ofeninneren verglast ist, übrig läßt. Diese Schicht ist wohl wetterbeständiger. Das nicht vollständig weggeschwemmte Material wird sich zu Fuße des Ofens anlagern.

Weiter ging der Zerfall nicht, da wir die Reste von Tank- und Kühlofen im April 2006 abrissen. Siehe hierzu das Quarley Furnace Project 2006.

Siehe auch die Fotos vom Zerfall der Öfen.

Text & Fotos © 2005 Mark Taylor & David Hill
Übersetzung © 2008 Frank Wiesenberg

Quelle: http://www.romanglassmakers.co.uk/furnace15.htm

Die Originaltexte befinden sich auf der Webseite der ROMAN GLASSMAKERS www.romanglassmakers.co.uk.



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