Das "Quarley Furnace Project" 2005
- Die Konstruktionsphase

 


die neuen Glashäfen


Aufbringen der Lehmschicht


Glashafen mit Lehmschicht


Glashafen mit Lehmschicht

 

 

Im Februar 2005 begannen wir neben unserer normalen Arbeit die Öfen zu bauen. Sie sollten laut Plan bis Ende April fertiggestellt sein. Gegen Ende März arbeiteten wir Vollzeit an den Öfen, die Feuerkammern und die oberirdischen Strukturen waren bis zur Höhe der Tank- und Hafengefäße fertig.

Als die Feuerkammern mit Ziegeln ausgelegt wurden schritt der Bau deutlich schneller voran. Die oberen Wände bestanden aus einem Ton-, Sand- und Heugemisch und wurden domförmig gebaut.

In der dritten Aprilwoche war der Bau der Hauptstrukturen beendet. Gegen Ende des Monats wurden die Meßköpfe eingefügt und die verschiedenen Abdeckungen und Türen waren schon fertig.

Obwohl wir die Öfen sorgfältig geplant hatten, mußten wir die Pläne während des Baues doch ändern.


ein Morgen im März

Am 26. April 2005 wurden die Öfen das erste Mal angefeuert; von hier an startete die schriftliche und fotografische Dokumentation.

 

Der Arbeitsofen:

Dieser Ofen basiert auf dem Grundriß runder Öfen mit horizontaler Feuerungsöffnung, so wie in Frankreich gefunden (siehe die Fotos von Foy und Nenna der Öfen in Cesson-Sévignés und Troyes).

Die Feuerkammer ist mit Ziegeln oder Steinen verkleidet und verfügt normalerweise über einen mit großen Ziegeln ausgelegten Boden.

Für eine innere Auskleidung mit Lehm gibt es keine Belege. Trotzdem haben wir den Innenraum mit einer dünnen Lehmschicht versehen um Löcher in der Konstruktion zu versiegeln.


Ofen in Troyes

Ofen in
Cesson-Sévignés

Das Sims, auf dem die Hafengefäße stehen, bildet den oberen Abschluß der Feuerkammer, die sich oben nach innen verjüngt. Für dieses Sims gibt es leider keinen Beleg, aber auf Irgendetwas müssen die Glashäfen ja stehen! Bei einem der in Lyon (Frankreich) ausgegrabenen Öfen (La Manutention 3 - siehe die Fotos und Zeichnungen vom Foy und Nenna) existiert ein kleiner Bereich der Basis, die sich nach innen biegt. Die Hafengefäße für das Glas basieren auf einem Hafengefäß aus einer spätrömischen Glaswerkstatt im Hambacher Forst nahe Köln (siehe Gaitzsch etc.).

Die Glashäfen (siehe Fotos links) wurden mit einer Schicht Lehm umgeben. Der Grund hierfür war die Überlegung, daß duch diese Verdickung der Wandstärke die Lebensdauer der Häfen verlängert werden müßte. Ein Haarriß eines Hafens veranlaßte uns dazu. Zudem gibt es einen Beleg bei einem römischen Glashafen hierfür, der mit einer verglasten äußeren Ton(?)-Schicht versehen ist (siehe Gaitzsch etc.).*

Der Bereich der Häfen war domförmig und bestand komplett aus Ton-, Sand- und Heu-Lehmgemisch. Er verfügte über zwei Glasentnahme- bzw. Arbeitsöffnungen sowie zwei kleinere Löcher, die sich zum Anheizen kleinerer Objekte eigneten. Der Vorteil von Lehm war, daß der Ofen so wie gewünscht geformt werden konnte und durch das Trocknen und Feuern zu einer einzigen Struktur "aus einem Guß" wurde.

 

Der Tankofen:

Obwohl eine immer weiter zunehmende Zahl an römischen Glasverarbeitungsstätten belegt wird gibt es kaum aufgehende Strukturen von Glasöfen und wenige Belege für die Verwendung von Hafengefäßen in frühen römischen Glasöfen. Deswegen sollte man sich Gedanken über eine alternative Art machen, wie man die Glasschmelze zusammenhalten kann. Der Tankofen ist die Alternative.

Eine Methode des Aufbaus eines Tankofens basiert auf einem Fund aus London in Form eines großen Ziegels mit einer anhaftenden Schicht Glas, der wohl in der Wand eines Ofens gesteckt hat und um den Seitenwände einen Tank gebildet hatten (siehe Allen).

Wir entschieden uns für einen ähnlichen Ansatz, haben aber ungebrannten Lehm mit einem hohen Ton-Anteil zum Bau des Tanks verwendet. Dies sollte das Problem vermeiden, daß ungebrannter Ton vom gebrannten Tonziegel abspringt, also Spalten entstehen, duch die Glas hätte auslaufen können (aber siehe hier und hier!).

Wie beim Arbeitsofen wurden auch hier für die Feuerkammer Ziegel verwendet, diesmal aber auch Steine. Der Grundriß war oval, entsprechend einem oft, wie auch in Lyon (La Manutention 4 - siehe Foto von Foy and Nenna) gefundenen Typus. Die Feuerungsöffnung hatte einen geneigten, längeren Zugang wie oft anzutreffen an Öfen wie beispielsweise in Augst (Schweiz). Der Oberbau bestand aus Lehm.

An diesen Ofen war ein Entspannungs- bzw. Kühlofen angebaut, der die Hitze des Tankofens mitnutzte. Eine ähnliche Konstruktion ist bei einem in Lyon zu erkennen (siehe Fotos und Zeichnung)


Lyon, La Manutention 3

Lyon, La Manutention 3

Lyon, La Manutention 4

 

 

Allen, D.: "Roman Glass in Britain", Shire Album 76 (1998)

Foy, D. und Nenna, M-D.: "Tout Feu Tout Sable" Musées de Marseille, Éditions Édisud (2001)

Gaitzsch, W., Follmann-Schulz, A-B., Hans Wedepohl, K.,Hartmann, G. Tegtmeier, U.: "Spätrömische Glashütten im Hambacher Forst - Produktionsort der ECVA-Fasskrüge" in: Bonner Jahrbücher Vol. 200, S. 85-241 (2000)

 

* Dies sollte sich als unnötig erweisen, weshalb beim Quarley Furnace Project 2006 und beim Velzeke Furnace Project einfache, unverkleidete Hafengefäße verwendet wurden.

 

Text & Fotos © 2005 Mark Taylor & David Hill
Übersetzung und Anmerkungen © 2008 Frank Wiesenberg

Quelle: http://www.romanglassmakers.co.uk/furnace2.htm

Die Originaltexte befinden sich auf der Webseite der ROMAN GLASSMAKERS www.romanglassmakers.co.uk.



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